Wofür ich stehe


Wofür ich stehe
 

I

Ich sehe, dass jeder Mensch alles in sich hat, was nötig ist um zu leben. Sonst wären sie oder er gar nicht mehr da. Ich sehe, dass der gegenwärtige Moment alles hat, was man braucht. Sonst wäre man ebenfalls nicht mehr da. Beides ist dasselbe.

Ich sehe, dass andere Menschen wie auch ich selbst zu leiden beginnen und an Kraft verlieren, sofern wir uns dem Leben verweigern, so wie es in uns, mit uns und durch uns gerade in seine Gestalt drängt.

Ich sehe, wie das Leiden nachlässt oder ganz aufhört, wenn man beginnt, der Lebendigkeit in sich zu folgen. Wenn man beginnt, sich dem Leben zu überlassen, ohne zu wissen, wo es einen hinführt. Ich sehe, wie es trägt, von Moment zu Moment.

II

Ich sehe, dass das Leben einfach geschieht, ohne dass man etwas Entscheidendes dafür oder dagegen tun könnte. Es geschieht in uns, mit uns und durch uns, ohne uns zu fragen. Es geschieht in der Lebendigkeit eines jeden Einzelnen.

Ich sehe, wie das Leben für uns ist. Es wirft uns Dinge vor die Füße, die unsere Lebendigkeit herausfordern oder, anders gesagt, nach einer Lösung schreien. So bringt es uns dazu, der eigenen Lebendigkeit immer neu zu folgen.

Ich sehe in Krisen, Konflikten oder Symptomen Wegweiser des Lebens. Sie führen in vergessene Bereiche unserer Lebendigkeit, damit wir ganz werden können. Darin erscheint es unerbittlich und gleichzeitig freundlich. Es gibt nichts zu tun als sich dem Leben zu überlassen.

III

Ich sehe, dass andere Menschen wie auch ich selbst ein Ausdruck von Liebe sind, wie blind oder verborgen sie auch sein mag. Wenn ich einzelne Menschen genau anschauen durfte, habe ich bisher kein anderes Motiv außer Liebe gefunden.

Ich sehe, dass an anderen Menschen sowie an mir selbst nichts falsch ist. Alles, was wir tun, empfinden oder denken, geschieht in der Tiefe aus Liebe, auch dann, wenn das eigene Gefühl, das Urteil anderer oder gar ein kollektives Weltbild dagegen sprechen sollten.

Ich sehe, wie das Leben nicht damit aufhört, sich durch unser Wesen eine Gestalt zu geben. Es drängt durch mich und andere in eine neue und jeweils einzigartige Form oder Aufgabe. Sofern wir dem folgen, geht es uns gut, haben wir Kraft und Frieden mit uns selbst.

 



Share This