Als junger Mann geriet ich einmal vor mehreren tausend Menschen innerlich in einen undurchdringlichen Nebel. Ich wusste nicht mehr, wer ich bin und was ich da tue. Zwanzig Jahre später geschah dasselbe noch einmal, in meiner ersten selbst begleiteten Aufstellung. Solche Aussetzer fühlen sich an wie persönliches Versagen, sind es aber nicht. Sie zeigen, dass wir mit etwas zusammenleben, das wir nicht selbst sind — ohne das Geringste davon zu ahnen.
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Primär und sekundär – wie Symbiose uns am Leben hält
Warum lässt sich etwa ein schlechtes Gewissen, für das es keinerlei realen Anlass gibt, nicht wegtherapieren? Eine Antwort könnte in der eigenen Geburt liegen — eine weitere in einem Mechanismus, der uns seit den ersten gemeinsamen Großwildjagden der Frühmenschen zu Wesen macht, die von sich sagen können: Ich bin da.
Vom Einzelnen zum Kollektiv – warum die Fremdheit bleibt
Laut dem R+V-Angstindex „Die Ängste der Deutschen“ war Sorge der Deutschen vor einer Spaltung der Gesellschaft 2025 so stark wie lange nicht. Meine Beobachtung dazu: Ost und West streiten selten wirklich über aktuelle Konflikte. Sie leben häufig vielmehr unbewusst in zwei unbewussten Verbindungen, die nach 1945 entstanden sind — die einen mit dem damaligen sowjetischen System, die anderen mit dem damaligen amerikanischen. Dafür kann niemand etwas. Warum politische Umerziehung hier nichts ausrichtet, und was vielleicht doch hilft.
Warum sich manche Menschen in Gruppen unsichtbar fühlen
Ich kenne Menschen, die in jeder meiner Gruppen am Rande sitzen. Sie sagen etwas, und es wird nicht aufgegriffen. Sie verlassen den Raum, und niemand bemerkt es. Der innere Reflex heißt dann oft: Ich bin zu leise, zu langweilig, zu wenig. Nach meinem Eindruck hat das mit der gegenwärtigen Gruppe jedoch erstaunlich wenig zu tun.
Trauma, Illusion und Spiritualität 1
Trauma ist nicht das Ereignis selbst, etwa der Unfall, der psychische oder körperliche Übergriff, die Gewalttat, der Krieg oder die Naturkatastrophe. Trauma ist ein komplexer innerer Überlebensmechanismus, mit dessen Hilfe wir in der Lage waren, ein solches Ereignis zu überstehen und danach weiterzuleben.
Trauma, Illusion und Spiritualität 2
Trauma besteht im Grunde aus einer einzigen Illusion. Es ist die Illusion, dass die vernichtende Bedrohung nach wie vor besteht. Die Tatsache, dass die Gefahr vorüber ist, dass ich überlebt habe und nun sicher bin, hat für das Trauma keine Realität.
Trauma, Illusion und Spiritualität 3
Wir haben bisher gesehen, wie Trauma körperlich funktioniert, welche konstituierende Rolle die Illusion dabei spielt und wie die Seele selbst uns mittels unseres Bewusstseins („ich bin“) traumatisiert. Das Trauma kommt aus der menschlichen Seele, und von der Seele her kann es auch heilen. Schauen wir daher auf das Phänomen „Spiritualität“ als allgemeine Chiffre für den Zugang zum Seelischen, zur Innenseite unserer Lebendigkeit.
Der Weg der Seele
Nicht nur haben wir eine Seele, ebenso hat die Seele uns, in Verbindung zu allem, was ist. Sie gestaltet uns und unser Leben, und sie scheint zu wollen, dass wir innerlich ganz werden.
Die Eltern (I): Nehmen und Verlassen.
Man nimmt seine Eltern, indem man sie verlässt. Es ist ein Aufgeben und gleichzeitig ein Finden. Indem ich als erwachsener Mensch alle inneren wie äußeren Ansprüche an Vater und Mutter aufgebe, geschehen zwei Dinge auf einmal: ich beginne, meine tatsächlich vorhandene Freiheit zu realisieren. Gleichzeitig stelle ich fest, dass ich allein bin. Ich bin ganz mit mir selbst. Ich finde: mich. So wie ich bin.
Die Eltern (II): Ideal und Wirklichkeit
„Ich lasse meine Mutter und meinen Vater so, wie sie sind, ohne von ihnen als Eltern etwas anderes zu verlangen.“ Für die meisten Menschen wäre dieser Satz schlicht der Aufruf zum Verrat, zum Verrat an den eigenen Idealen. Das ist er auch, und er ist notwendig. Ohne diesen „Verrat“ an den eigenen Idealen, ohne den inneren Schritt vom Idealbild zur Wirklichkeit des Lebens, wird niemand innerlich erwachsen.
Die Eltern (III): Vom Heimkommen der kindlichen Wünsche
Die realen Personen hinter dem Bild unserer Eltern können wir solange nicht sehen, wie wir das Ideal von ihnen aufrecht erhalten, im „Guten“ wie im „Schlechten“. Uns selbst übrigens auch nicht, denn mit dem Ideal der Eltern ist immer ein ideales Selbst verbunden. Die Welt ebensowenig, jedenfalls nicht wie sie ist, denn am Eltern-Ideal bildet sich natürlich auch unser Ideal von der Welt heraus. Eines geht nicht ohne das andere. Lesen Sie mehr …
Die Eltern (IV): Mich selbst sein lassen.
„Ich lasse mich selbst als das Kind meiner Eltern so, wie ich mich jetzt vorfinde, ohne mich anders haben zu wollen.“ Vorweg: Ich schreibe hier nicht darüber, wie man seine „Muster“ los wird. Das geht nämlich nicht. Und darum geht es auch nicht. Das „Los Lassen“ wie das „Los Werden“ leben von der Illusion, dass man wirksam an sich arbeiten könne. Für Erwachsene jedoch ist die Zeit des „An sich Arbeitens“ vorbei, sowohl im persönlichen Leben als auch in Therapie und Beratung. Wer an sich arbeitet, arbeitet gegen sich. Hier geht es darum, sich zu lassen, samt der „Muster“.
Von der Kunst des paarweisen Zusammenlebens: Fünf Thesen.
I. Über das Zustandekommen eurer Paarbeziehung habt nicht ihr entschieden. Über das Ende werdet ihr ebenfalls nicht entscheiden. II. Wenn du in deiner Paarbeziehung leidest, leidest du an dir selbst. Deinem Partner ergeht es ebenso, nur eben mit sich. III. …
Opferstatus I: Überleben
Der Opferstatus ist eine Gefängniszelle, deren Schlüssel innen steckt. Sie funktioniert wie eine Zeitmaschine: In der Gefängniszelle ist Damals, als die vernichtende Erfahrung geschah. Draußen ist Jetzt, wo wir sicher sind. Zwischen Jetzt und Damals liegen oft viele Jahre. Es geht darum, diesen Abstand fühlen zu können. Lesen Sie mehr.
Opferstatus II: Lähmung
Wenn angesichts einer existentiellen Bedrohung weder Kampf noch Flucht möglich sind, sorgt die Panik für den letzten Überlebensmodus, den unser Reptilienhirn für uns bereithält: Die Lähmung bzw. Ohnmacht. Sie sichert uns zusätzliche Überlebenschancen. Dieser Modus hat jedoch seinen Preis: er friert sehr genau jene Segmente des Daseins ein, welche von dem vernichtenden Bedrohungserlebnis betroffen sind. Diese eingefrorene Leben meldet sich später mit Hilfe von Symptomen aller Art, um wieder auftauen zu dürfen.
Opferstatus III: Gegenwart
Opfer sein bedeutet: ich bin ohnmächtig. Demzufolge bin ich handlungsunfähig, und daher unschuldig. Bei der Aufstellungsarbeit mit den Lebensstufen (Zeit im Mutterlieb, Kindheit, Jugend und Erwachsensein) stieß ich auf eine erstaunliche Parallele: Das kindliche Erleben, wie es sich im Lebens-Integrations-Prozess nach Wilfried Nelles zeigt, entspricht ziemlich genau der inneren Dynamik des Opferstatus. Im Folgenden beleuchte ich daher den Opferstatus von der Kindheit als Lebens- und Bewusstseinsstufe her und untersuche, wie die Verbindung zur Gegenwart wirken kann.
Lebens-Integrations-Prozess
Der Lebens-Integrations-Prozess ist ganz auf das Hier und Jetzt ausgerichtet. Es geht nicht mehr um die Lösung von Problemen, sondern darum, das äußerliche, durch das Lebensalter gegebene Erwachsensein auch innerlich (emotional) zu vollziehen und die damit verbundene innere Freiheit wirklich anzunehmen. Er wirkt in der Tiefe langfristig lösend und stärkend.














